Wer will schon ewig rennen?

Über den Wert der Akzeptanz. 

Ich sammle auf meinem Handy Notizen wie manch Anderer die sprichwörtlichen Briefmarken. So findet sich beispielsweise eine Notiz mit dem Titel „Gedanken“ auf dem Smartphone. Darin notiert habe ich Wortfetzen oder Sinnsprüche, die ich aufschnappe. Dieser Tage hab ich diese Notiz wieder einmal geöffnet und folgenden Satz gefunden: Wer den Wind zähmen will, rennt ewig. 

Er hat mich sehr nachdenklich gestimmt, weil er im Gegensatz zu dem steht, woran ich bisher geglaubt und mich daran festgehalten habe. Nämlich dem Glauben, dass wir alle Möglichkeiten und Mittel in der Hand haben, Situationen und Umstände zu beeinflussen und zu lenken. Das stimmt auch. Daran glaube ich noch immer ganz fest. Wenn du mit einer Situation unzufrieden bist, ändere sie. Für mich gab es da bisher kein „Aber“ und keine Ausreden. 

Das oben erwähnte Zitat zeigt mir nun eine andere Perspektive auf. Der „Wind“ steht symbolisch für all das, was sich unserer Kontrolle entzieht: andere Menschen, Schicksalsschläge oder manchmal sogar unsere eigenen Gefühle. Wer versucht, diese Kräfte zu „zähmen“, wird ewig hinterherlaufen. Der Satz erinnert uns daran, dass man manches annehmen darf und sogar muss. Sonst leben wir in einem Zustand ständiger Unzufriedenheit – immer suchend, immer getrieben, nie wirklich ankommend. Und ehrlich: Wer will schon ewig rennen?

Noch eine kleine Erkenntnis möchte ich mitgeben. Ich weiß nicht mehr, wo ich das Zitat ursprünglich gehört habe. Ich wusste nur damals, dass ich es aufschreiben musste. Erst viele Monate später, als ich die Notiz erneut gelesen habe, konnte ich seine Bedeutung für mich einordnen. Erst dann ergab er Sinn. Vielleicht ist es manchmal nur ein kurzer Moment, ein leises Gefühl oder eine Intuition, die uns zu einer Handlung bewegt. Folgen Sie dieser Intuition! Niemand weiß, wohin sie führt. Vielleicht wird daraus ein Blogartikel, eine neue Geschäftsidee oder ein gänzlich neuer Lebensweg. 

Dies ist ein Plädoyer dafür, zu erkennen, wofür es sich lohnt, Kraft einzusetzen – und zu akzeptieren, was unveränderbar ist.

Denn Entscheidungen bedeuten nicht, alles verändern zu müssen, sondern unterscheiden zu können: Was kann gestaltet werden und was ist Wind? Wofür lohnt es sich, Kräfte zu mobilisieren und wo beginnt das ewige Rennen? Diese Fähigkeit zur Unterscheidung schafft Orientierung.

 

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