Das Quirx mit dem Zweifel

Über Ambivalenzen und was sie uns sagen wollen.

Meistens holen sie dich mitten in der Nacht. Dann, wenn man sie so gar nicht braucht. Diese bohrenden Gedanken. Sie graben sich in jede erdenkliche Gehirnwindung und an Wiedereinschlafen ist erst einmal gar nicht mehr zu denken. 

Wer’s kennt, Hand hoch!

Oft genau dann, wenn man ein neues Projekt starten will, sich beruflich neu aufstellen oder umorientieren möchte, wenn man sich irgendwie neu erfinden will, schleicht er sich wieder ein: der Zweifel. Im Grunde sind alle Argumente längst durchdacht, die Pros und Cons abgewogen und das gewünschte Zukunftsbild liegt klar vor einem. Und trotzdem schafft es der Zweifel, das ganze Vorhaben infrage zu stellen. Ganz nach dem Motto: „Wäre es zu 100 % das Richtige, würde ich ja nicht zweifeln.“

So einfach ist es nicht.

Fast jeder Mensch fühlt sich bei fast jeder Entscheidung gleichzeitig mehreren Grundbedürfnissen verpflichtet. Da haben wir zum einen das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Bindung und zum anderen das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstverwirklichung. Daraus entsteht logischerweise ein Spannungsfeld. Das ist kein Defekt, sondern ein ganz normaler Regulationskonflikt. Die Intensität variiert je nach Kontext, Lebensphase und Persönlichkeit.

Wichtig dabei ist jedoch, dass wir die Wichtigkeit und Funktion jeder Seite sehen und einordnen. Tatsächlich ist es ein fortlaufender Aushandlungsprozess mit uns selbst. Manchmal sind die inneren Konflikte aber eben so groß, dass sie uns wach halten.

Was können wir nun also tun? 

Vielleicht hilft folgendes Gedankenexperiment:

Angenommen der Zweifel ist eine wohlwollende Freundin oder ein guter Berater mit den besten Absichten: Was möchte er jetzt mitteilen? Vor welchem Aspekt will er warnen? Worauf will er hinweisen? Oft bringt es Erleichterung sich auf die Suche zu machen, was hinter dem Zweifel steckt. 

 Vielleicht lohnt sich noch ein weiterer Gedanke: Wir zweifeln nie an Dingen, die uns gleichgültig sind. Der Zweifel ist also ein Zeichen von Bedeutung und wir sollten lernen, mit ihm umzugehen. Denn er wird nicht einfach verschwinden, sobald man die „richtige“ Entscheidung getroffen hat. 

Die Frage ist also nicht: Wie werde ich den Zweifel los? Sondern: Wie gehe ich mit ihm um?

Dies ist ein Plädoyer dafür, den Zweifel nicht zu ignorieren oder gegen ihn anzukämpfen. Sondern zuzuhören und trotzdem weiterzugehen!

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