
60 Prozent.
Die angezogene Handbremse lockern.
Vor kurzem habe ich jemanden aus meiner Jugendzeit wiedergetroffen. Eine alte Bekanntschaft. Wenn man so will: eine Schwärmerei. Wir haben uns unterhalten. Über früher. Früher.
Wir reden hier von einem „früher“, das annähernd 30 Jahre zurückliegt. Können Sie sich das vorstellen? Ich nicht. Es war ernüchternd festzustellen, dass wir uns nicht erst vor 20 Jahren zuletzt gesehen hatten, sondern dass es mittlerweile eher 28 Jahre sind. Aber das ist eigentlich nicht das heutige Thema.
Worauf ich hinaus will: Diese Person hat eine sehr junge Version meines Ichs gekannt – und nun relativ trocken festgestellt: „Mir kommt vor, du bist nur zu 60 Prozent in deiner Kraft.“ Bumm.
Diese Begegnung ist nun schon einige Wochen her. Und ich bin extrem dankbar dafür. Warum? Zum einen: Er hat recht. 60 Prozent ist vielleicht ein wenig tief gegriffen, aber 75 Prozent trifft es ganz gut. Das heißt: Da liegt Potenzial, ungenutzt und brach. Und damit sind wir beim wichtigeren Punkt: Diese Aussage hat mich binnen kürzester Zeit motiviert, die restlichen 25 bis 40 Prozent (je nachdem, wovon wir ausgehen) zu aktivieren.
Aber wie stellt man das an? Genau hier kommen wieder andere Menschen ins Spiel. So ist das Leben: Wenn man offen bleibt, treten diese Ratgeber auf, die neue Gedanken und Perspektiven eröffnen. Ein weiterer guter alter Bekannter (diesmal keine Schwärmerei) stellte mir eine spannende Frage, als ich erwähnte, dass ich manchmal das Gefühl hätte, das Leben mit angezogener Handbremse zu bestreiten. Seine Frage: „Dann überleg mal, wo das Bremsseil hinführt.“ Interessant.
Die Antwort auf diese Frage habe ich im Konkreten noch nicht gefunden. Vielleicht muss ich sie gar nicht mehr finden. Vielleicht reicht es, sich mit dem Thema grundsätzlich zu befassen. Sich bewusst zu machen, dass doch noch so viel mehr Kraft und Energie vorhanden ist, die täglich und stündlich abgerufen werden kann. Wenn es notwendig ist. Oder wenn man will.
Wollen. Wieder so ein Wort. Vielleicht ist es genau das, was mich von 60 auf 100 Prozent bringt. Und genau da beginnt die eigentliche Herausforderung: Wollen. Nicht können, nicht müssen.
Mittlerweile bin ich wieder zurück. In meinen immerhin 98 Prozent. Dank manch zufälliger Begegnung und vielen wertvollen Freunden und Ratgebern auf meinem Lebensweg.
Dies ist ein Plädoyer dafür, nicht mit angezogener Handbremse durchs Leben zu gehen. Manchmal braucht es einen Impuls von außen, um wieder ins Tun zu kommen und vor allem den Mut, die vollen 100 Prozent freizusetzen.
Denn die Kraft ist da. Die Energie ist da. Die Möglichkeiten sind da. Es liegt an uns, es zu wollen.



